Tag 13. Es ist Sonntagabend, 20 Uhr, mein fester Build-Termin. Und ich sitze hier mit einem Gefühl, das mir keiner vorher gesagt hat: Es ist Wochen her, dass ich angefangen habe. Es gibt keinen Launch. Kein großes Ziel in Sicht. Und ich bin… immer noch am Bauen.
Der Teil, von dem keiner spricht
Wenn man „Build in Public“ hört, denkt man an: Idee, harte Wochen, großer Launch, Konfetti. Eine Geschichte mit Anfang, Mitte und Ende.
Was keiner zeigt, ist der Teil, in dem ich gerade stecke. Der lange, leise Teil. Wo nichts explodiert, nichts viral geht, niemand klatscht. Wo ich einfach jeden Sonntagabend den Laptop aufklappe und das nächste kleine Ding mache. Und nächste Woche wieder. Und die Woche danach.
Das ist nicht spektakulär. Das ist… bauen. Der echte Teil.
„Wann ist es denn fertig?“
Mein Mann fragt es. Meine Freundin fragt es. Und die leise Stimme in mir fragt es am lautesten: Wann ist das Ding fertig?
Und ich hatte lange das Gefühl, ich müsste eine Antwort haben. Ein Datum. Einen Plan mit Häkchen. „In vier Wochen launche ich.“
Aber die ehrliche Antwort ist: Ich weiß es nicht. Die Seite wird größer, nicht kleiner. Die App bekommt neue Ideen, schneller als ich sie umsetzen kann. Jedes fertige Ding macht zwei neue auf. Das fühlt sich erst an wie Scheitern — bis man versteht, dass es genau das Gegenteil ist.
Was sich verändert hat
Irgendwann an diesem Abend ist bei mir ein Schalter umgelegt. Ich habe gemerkt: Ich habe die ganze Zeit das falsche Bild im Kopf gehabt.
Bauen ist kein Sprint zur Ziellinie. Es ist eine Gewohnheit. So wie mein Abend-Journal, das inzwischen einfach passiert, ohne dass ich drüber nachdenke. Erst war es ein Vorsatz, dann ein Kampf, irgendwann nur noch… was ich abends mache.
Genauso ist das hier geworden. Sonntagabend ist Build-Abend. Nicht, weil ich auf einen Launch zurenne. Sondern weil ich es tue. Und jede Woche steht da ein bisschen mehr, das vorher nicht da war.
Software ist nie wirklich „fertig“. Jede App, die du benutzt, wird ständig weitergebaut — das heißt bei den Profis continuous deployment: lieber kleine Stücke regelmäßig veröffentlichen als einmal das große Ganze.
Heißt für mich auf dem Sofa: Ich muss nicht auf den perfekten, fertigen Moment warten. Ich darf in kleinen Stücken bauen, veröffentlichen, verbessern. Genau das, was sich wie „nie fertig“ anfühlt, ist in Wahrheit die gesunde Art zu bauen.
Der ehrliche Moment
Ich will nicht so tun, als wäre das alles nur Zen und Gelassenheit.
Es gibt Abende, da scrolle ich durch Instagram und sehe Leute, die „in 30 Tagen gelauncht“ haben, und denke: Was mache ich falsch? Warum dauert das bei mir so lang? Der Vergleich ist Gift. Dann mache ich Instagram zu, schaue auf das, was letzte Woche noch nicht da war — und es sind immer mehr Dinge, als ich dachte. Ich bin nicht langsam. Ich bin dran. Das ist nicht dasselbe wie schnell, aber es ist unendlich mehr wert als aufgeben.
Was ich an Tag 13 gelernt habe
- Dranbleiben schlägt schnell sein. Die meisten Projekte sterben nicht an schlechten Ideen, sondern daran, dass man aufhört.
- Such dir einen festen Termin, nicht ein festes Ziel. „Jeden Sonntag eine Stunde“ trägt weiter als „fertig bis Datum X“.
- Schau zurück, nicht nur nach vorn. Vergleich dich mit dir vor vier Wochen, nicht mit Fremden auf Instagram.
- „Nie fertig“ ist okay. Etwas, das wächst, ist lebendiger als etwas, das „fertig“ und vergessen ist.
So. Das war Tag 13. Kein Launch, kein Konfetti, keine große Zahl. Nur eine Frau auf dem Sofa, die nach Wochen immer noch da ist — und das zum ersten Mal nicht als Schwäche sieht, sondern als das Eigentliche.
Mein Co-Founder übrigens auch. Claude wird nicht müde, fragt nicht „wann sind wir fertig“, vergleicht sich mit niemandem. Er ist einfach jeden Sonntag wieder da. Vielleicht ist das das Geheimnis: einfach jeden Sonntag wieder da sein.
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