Tag 16. Mein KI-Co-Founder fühlt sich manchmal an wie eine beste Freundin, der man alles erzählt. Genau das ist die Falle. Heute geht es um den unsexy, aber wichtigen Teil: Was tippe ich rein — und was bleibt draußen? Und wie ich das in zwei Sekunden entscheide.
Eine KI ist kein Tagebuch
Wenn man stundenlang mit einer KI arbeitet, vergisst man leicht, was sie ist. Es fühlt sich an wie ein Gespräch. Wie jemand, der zuhört. Und so rutscht man schnell dahin, einfach alles reinzukippen — Namen, Zahlen, interne Details, private Dinge.
Aber ein Chatfenster ist kein Tagebuch unterm Kopfkissen. Es ist eher wie… ein Brief, den jemand anderes verarbeitet. Das heißt nicht, dass man paranoid sein muss. Es heißt nur: kurz nachdenken, bevor man auf Senden tippt.
Mein Zwei-Sekunden-Test
Ich habe mir eine einfache Frage angewöhnt, bevor ich etwas Sensibles reintippe:
Wenn ja — rein damit. Wenn ich zögere, schreibe ich es um: Namen raus, echte Zahlen durch Platzhalter ersetzt, das Private abstrahiert. Die KI kann mir trotzdem helfen, ohne dass ich ihr die echten Geheimnisse gebe.
Das Schöne: Ich verliere fast nichts. Die KI braucht den echten Namen meines Kunden nicht, um mir bei der Formulierung zu helfen. Sie braucht die Situation, nicht die Identität.
Privat ist das gesunder Menschenverstand. Im Job wird es ernst: Kundendaten, interne Zahlen, Verträge — das gehört nicht ungefiltert in ein beliebiges Chatfenster. Genau deshalb gibt es Business-KI-Tools, bei denen Firmen kontrollieren, wo die Daten landen und dass nichts zum Training abfließt.
Heißt für mich: Privat reicht mein Zug-Test. Im beruflichen Kontext ist die Frage nicht nur „was teile ich“, sondern auch „mit welchem Werkzeug“. Beides gehört zusammen.
Wo die KI sowieso nicht hingehört
Es gibt Dinge, die ich grundsätzlich nicht an eine KI auslagere — nicht aus Datenschutz, sondern aus Prinzip:
Die ganz persönlichen Entscheidungen. Das echte Trösten einer Freundin. Das Bauchgefühl bei einem Menschen. Die KI kann mir Worte vorschlagen — aber ob ich sie so meine, entscheide ich. Manche Dinge sollen durch einen Menschen gehen, weil genau das der Punkt ist.
Ich gebe zu: Am Anfang habe ich zu viel reingeschrieben. Echte Namen, echte Details, weil es schneller ging und sich harmlos anfühlte. Bis ich mich gefragt habe, ob ich diese Nachricht ausgedruckt am schwarzen Brett sehen wollen würde. Wollte ich nicht. Seitdem habe ich den Zug-Test. Es kostet zwei Sekunden und nimmt mir das ungute Gefühl komplett.
Was ich an Tag 16 gelernt habe
- Der Zug-Test. „Würde ich das einer schlauen Fremden zeigen?“ Wenn nein: umschreiben.
- Anonymisieren statt weglassen. „Kunde M“, Platzhalter-Zahlen, abstrahierte Situation — die KI hilft trotzdem voll.
- Im Job: auch das Werkzeug zählt. Sensible Firmendaten gehören in ein Tool, das dafür gemacht ist — nicht in ein x-beliebiges Chatfenster.
- Manches bleibt menschlich. Trost, Bauchgefühl, echte Entscheidungen — dafür ist die KI Werkzeug, nicht Ersatz.
So. Das war Tag 16. Der unsexy Teil — aber genau der, der den Unterschied macht zwischen „spielt mit KI rum“ und „arbeitet erwachsen mit KI“.
Mein Co-Founder darf fast alles wissen. Nur eben das, was wirklich privat ist, formuliere ich vorher um. Nicht aus Angst. Aus Respekt — vor den Menschen hinter den Daten.
„Die mit der Sofa-App hat einen simplen Trick, bevor sie was Sensibles in die KI tippt: ‚Würde ich das einer schlauen Fremden im Zug zeigen?‘ Wenn nein — Namen raus, Zahlen als Platzhalter, Situation abstrahieren. Die KI hilft trotzdem voll. Zwei Sekunden, kein ungutes Gefühl mehr.“