✦ Genuss & Regulation

Wie TCM mir erklärt hat, warum ich abends immer Süßes will

✦ Katja ✦ März 2026 ✦ 7 Min. Lesezeit ✦ Mit Zungenfotos & einer guten Freundin

Es begann damit, dass ich Eva ein Foto meiner Zunge schickte. Ja, du liest richtig. Ein Zungenfoto. Per WhatsApp. Zwischen Kaffeepause und Feierabend. Was folgte, war eines der merkwürdigsten, lehrreichsten und ehrlich gesagt auch lustigsten Kapitel meiner Selbstwahrnehmung — und es hat meinen Heißhunger am Abend auf den Kopf gestellt.

Eva, TCM, und ein Foto, das alles verändert hat

Eva ist eine meiner engsten Freundinnen — und wenn ich sage, dass sie mich mit TCM an die Hand genommen hat, dann meine ich das fast wörtlich. Sie leitet die Produktabteilung eines KI-Unternehmens, ist Vollblut-Techie durch und durch — und genau das machte den Unterschied. Denn Eva blieb nicht bei Büchern und Bauchgefühl stehen.

Sie fing an, Zungenfotos über Gemini zu analysieren. Also: Foto machen, hochladen, auswerten lassen — und dann die Ergebnisse mit dem vergleichen, was die TCM-Literatur sagt. Als Techie mit echtem Interesse an der Materie hat sie das systematisch angegangen. Und irgendwann sagte sie: "Schick mir mal ein Foto von deiner Zunge."

🌿 Wie die TCM die Zunge liest — kurz erklärt

In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist die Zunge eine Art Landkarte des Körpers. Verschiedene Zonen entsprechen verschiedenen Organen: die Spitze zeigt Herz und Lunge, die Mitte Magen und Milz, der hintere Teil Niere und Darm. Analysiert werden Farbe (blassrosa bis dunkelrot), Belag (weiß, gelb, dick, dünn, fehlend), Form (geschwollen, gezackt, mit Zahnabdrücken am Rand) und Feuchtigkeit. Zusammen ergibt sich ein Bild des aktuellen Zustands — Wärme oder Kälte im System, Qi-Mangel, Feuchtigkeit, Stagnation. Klingt abstrakt, ist aber erstaunlich präzise.

✦ Dazu mehr in einem anderen Beitrag

Was Eva und ich in diesen Monaten gemeinsam erlebt haben — von den ersten Zungenfotos über geteilte Kochexperimente bis hin zu echten Aha-Momenten — das ist eine Geschichte, die einen eigenen Artikel verdient. Und der kommt. Versprochen.

Für heute: das Wichtigste, das ich dabei gelernt habe. Und warum mein Abend-Heißhunger auf Süßes plötzlich einen Sinn ergab.

Was soll ich sagen: Das Auswerten der eigenen Zungenfotos mit einer Freundin, die dabei völlig ernst bleibt während man selbst kichert, ist eine Erfahrung der besonderen Art. Wir haben verglichen, diskutiert, gelacht — und irgendwann wurde es plötzlich sehr still. Weil das, was da auf dem Bildschirm stand, so verdammt gut gepasst hat.

"Ich habe seit Jahren nicht so genau auf meine eigene Zunge geschaut. Und sie hatte einiges zu sagen."

Was TCM über Süßhunger weiß — und was das mit dem Abend zu tun hat

In der TCM ist der Geschmack "süß" dem Milz-Magen-System zugeordnet. Das klingt trocken — ist es aber nicht. Denn die Milz ist in der TCM-Betrachtung das Zentrum der Verdauung, der Umwandlung und der Energie-Produktion. Wenn die Milz geschwächt oder erschöpft ist — durch Stress, kalte Mahlzeiten, unregelmäßiges Essen oder einfach zu viel "Funktionieren" — sehnt sie sich nach Wärme und Süße.

🌿 TCM-Grundgedanke: Süße als Signal

Ein moderater Hunger auf Süßes ist laut TCM kein Versagen der Willenskraft — sondern ein Hinweis des Körpers, dass das Milz-Qi Unterstützung braucht. Das Problem entsteht, wenn wir auf dieses Signal mit Industriezucker antworten statt mit natürlicher Süße. Das leert das System weiter, anstatt es zu nähren.

Und wann ist die Milz besonders beansprucht? Nach einem langen Tag. Nach vielen Gedanken, Entscheidungen, Gesprächen. Nach allem, was uns tagsüber Energie kostet. Also: am Abend. Genau dann, wenn ich auf dem Sofa sitze und plötzlich das Verlangen nach Schokolade oder etwas Süßem aufsteigt.

Es war nicht meine fehlende Disziplin. Es war ein echtes Bedürfnis — nur an der falschen Quelle gestillt.

Die Lösung: natürliche Süße als Medizin

Was Eva mir gezeigt hat — und was wir danach zusammen in der Küche ausprobiert haben — war so simpel, dass ich am liebsten kurz geweint hätte: Den Süßhunger mit Lebensmitteln stillen, die von Natur aus süß sind, wärmend wirken und gleichzeitig das Milz-Qi stärken.

Keine Verbote. Keine Diät. Kein Kampf gegen den Heißhunger. Sondern: ihn verstehen und ihm etwas Besseres anbieten.

✦ Die Gerichte — und ein eigener Beitrag kommt

Was ich hier zeige, ist nur ein erster Einblick. Die ganze Tages-Routine mit Morgen-, Mittags-, 16-Uhr- und Abendgerichten — das verdient einen eigenen Artikel. Der kommt. Mit genauen Mengen, Varianten und allem was dazugehört.

🌅

Morgens

Warme Hirse mit Mandelmus

  • Innerhalb 90 Min. nach dem Aufwachen
  • Hirse aufkochen, Mandelmus + Zimt
  • Kein kaltes Müsli, kein Smoothie
  • Stabilisiert den Blutzucker für den Tag
🍲

Mittags

Rote Linsen-Suppe mit Ingwer

  • Rote Linsen + Ingwer + Kurkuma
  • Schuss Kokosmilch für Wärme
  • Stärkt die Milz, liegt nicht schwer
  • Gut auf Vorrat zu kochen
🍠

Abends

Süßkartoffel-Kürbis-Eintopf

  • Geht zu jeder Jahreszeit
  • Sommer: + Zucchini · Herbst: + Hokkaido
  • Immer auf Vorrat — dann ist er da wenn's zieht
  • Mein Lieblingsrezept seit Eva

Warum das bei mir funktioniert hat

Ich war skeptisch. Ich bin immer noch jemand, der Dinge erst ausprobieren muss, bevor er glaubt. Aber dann habe ich es einfach gemacht — erst zusammen mit Eva beim Kochen, dann alleine zu Hause auf meinem Sofa.

Der Süßkartoffel-Kürbis-Eintopf ist inzwischen fester Bestandteil meines Abends — das ganze Jahr. Ich mache ihn auf Vorrat, portioniere ihn ein, und wenn der Heißhunger kommt — echter, ehrlicher Hunger nach Süße — dann esse ich das, nicht die Tafel Schokolade.

Das Interessante: Ich esse immer noch Schokolade. Manchmal. Aber aus Lust, nicht aus Bedürfnis. Das ist ein kleiner, aber entscheidender Unterschied.

✦ Was ich täglich eingebaut habe

Das Schönste an dieser ganzen Geschichte

Ich hätte das alleine nie herausgefunden. Nicht so. Nicht mit dieser Tiefe. Es brauchte eine Freundin, die etwas weiß, das ich nicht weiß — und die Geduld hat, es mir nicht vorzutragen, sondern es mit mir zu erleben.

Wir haben gekocht. Wir haben über Zungenfarben diskutiert wie andere über Weinsorten. Wir haben Fotos verglichen und dabei laut gelacht. Und irgendwo zwischen Kürbis schälen und Hirse rühren hat sich etwas in meinem Verständnis für meinen eigenen Körper verschoben.

Mehr davon — über Eva, über unsere Kochabende, über alles was wir noch gemeinsam ausprobiert haben — erzähle ich in einem eigenen Beitrag. Der kommt bald. Und ich freue mich schon sehr darauf, ihn zu schreiben.

"Manchmal braucht man eine Freundin, die einem sagt: Streck mal die Zunge raus. Und dann hört man einfach hin."

Wenn du tiefer in das Thema eintauchen möchtest — wie Körper, Rhythmus und Ernährung zusammenhängen — dann ist mein Ebook genau das Richtige. Der Süßkartoffel-Kürbis-Eintopf hat darin übrigens auch seinen Auftritt.

Der Regulations-Reset — mit Rezepten & Hintergrundwissen

36 Seiten darüber, warum wir abends nicht aufhören können zu essen — und was wirklich hilft. Wissenschaftlich fundiert, warmherzig geschrieben. Inkl. Rezepte für den Abend-Reset.

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Katja

Freelancerin, Ideenmaschine, und ja — jemand der abends auf dem Sofa sitzt. Diese Brand ist mein ehrlicher Raum. Kein Selbstoptimierungsprogramm. Nur das echte Leben einer Frau in all seinen wunderschönen Abend-Momenten.