Ich bin keine Mutter. Ich bin die Freundin, die abends auf dem Sofa sitzt und zuhört. Die Patentante, die mit Gummibärchen kommt und mit Geschichten geht. Und die Frau, die jedes Jahr am Muttertag denkt: Ich hab zwar keine Kinder — aber ich kenne welche, die welche haben. Und ich hab Augen im Kopf.
Was ich von außen sehe
Eine Freundin von mir ist Mama von zwei Kindern. Wenn ich sie abends besuche, sitzt sie meistens schon auf dem Sofa. Das klingt gemütlich. Ist es aber nicht. Weil sie in Wirklichkeit gerade im Kopf die Brotdosen für morgen packt, überlegt ob der Kleine Fieber hatte oder nur warm war, und sich fragt ob die Turnhose gewaschen ist — während sie mir scheinbar entspannt zuhört.
Ich rede über meinen Tag. Sie nickt. Dann sagt sie: „Entschuldigung, ich muss kurz —“ und verschwindet für acht Minuten. Als sie wiederkommt, hat sie das Kind nochmal zugedeckt, den Geschirrspüler eingeräumt und den Schulranzen kontrolliert. Ich habe in der Zwischenzeit drei TikToks geguckt.
Das ist der Unterschied zwischen uns. Sie hat nie Feierabend. Und ich bin manchmal so dankbar dafür, dass mein Feierabend einfach Feierabend ist, dass ich mich fast schäme.
Die Dinge, die mir aufgefallen sind
Ich habe keine Kinder. Aber ich habe Freundinnen, die Kinder haben. Und was mir in den letzten Jahren aufgefallen ist, ist so simpel wie traurig: Die meisten Mütter wissen gar nicht mehr, was ihnen guttut. Weil sie so beschäftigt sind herauszufinden, was allen anderen guttut.
Also hab ich angefangen zu beobachten. Und aufzuschreiben. Nicht als Ratgeberin — sondern als Chronistin des Mama-Alltags, den ich von der Seitenlinie aus bewundere und manchmal fürchte.
Ruhe. Echte Ruhe.
Ich hab eine Freundin mal gefragt: „Was willst du zum Muttertag?“ Sie hat drei Sekunden nachgedacht und gesagt: „Allein auf dem Klo sitzen. Ohne dass jemand klopft.“ Das war kein Witz.
Einfach mal nicht entscheiden müssen
Jedes Mal, wenn ich bei meiner Schwester bin, höre ich denselben Satz: „Sag DU mal, was wir essen.“ Nicht weil sie nicht kochen kann. Sondern weil sie seit 7 Uhr morgens Entscheidungen trifft — und es ist jetzt 18:43.
Ein warmes Getränk, das noch warm ist
Ich habe mal mitgezählt: Eine Freundin hat ihren Tee an einem Abend viermal aufgewärmt. Beim fünften Mal hat sie ihn kalt getrunken und gesagt: „Ach, ist auch egal.“ Ist es nicht. Aber irgendwann gibt man halt auf.
Jemand, der einfach tut — statt fragt
Nicht: „Soll ich helfen?“ Sondern: einfach die Wäsche zusammenlegen. Einfach den Müll rausbringen. Einfach die Kinder nehmen und sagen: „Wir sind im Park. Du hast zwei Stunden.“
Gehört werden — ohne Lösung
Mamas brauchen keine Tipps. Sie brauchen jemanden, der sagt: „Das klingt anstrengend“ — und dann einfach den Arm um sie legt. Ohne „Aber hast du schon mal versucht…“
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Kleine Fluchten, die ich empfehlen kann
Als Nicht-Mutter habe ich einen entscheidenden Vorteil: Ich habe Zeit, Dinge zu finden, die Mamas nicht finden — weil sie keine 20 Minuten am Stück googeln können, ohne dass jemand nach einem Pflaster fragt. Also mache ich das für sie. Hier sind meine liebsten Mitbringsel.
Das Buch, das eine Freundin im Klo eingeschlossen hat
Ich hab ihr das „Geheime Handbuch für Mütter“ geschenkt — 50 Überlebensregeln, die in keinem Ratgeber stehen. Sie hat es am selben Abend angefangen und sich im Bad eingeschlossen, um in Ruhe weiterzulesen. Als sie rauskam, hat sie gesagt: „Endlich schreibt mal jemand, wie es wirklich ist.“ Seitdem verschenke ich es an jede frischgebackene Mama, die ich kenne.
Für den Moment, in dem die Kinder schlafen
Meine Schwester hat eine 75-jährige Mutter. (Also: unsere Mutter. Aber das klingt weniger poetisch.) Und es gibt dieses Journal — „Mama & ich“ — das die beiden jetzt abwechselnd ausfüllen. Meine Schwester schreibt abends rein, wenn die Kinder schlafen. Unsere Mutter am Nachmittag bei Kaffee und Kuchen. Sie sagen sich darin Dinge, die sie sich im Alltag nicht sagen. Und ich heule jedes Mal, wenn sie mir davon erzählen.
Das Mitbringsel, das nichts kostet
Und falls du jetzt denkst: „Schön, aber ich will kein Buch verschenken“ — dann mach Folgendes: Schreib deiner Mama-Freundin eine Nachricht mit den Worten „Ich komm vorbei, bring die Kinder in den Park, und du legst dich hin.“ Kein Fragezeichen. Kein „Soll ich?“. Einfach machen. Glaub mir: Das ist mehr wert als jeder Strauß.
In der TCM ist die Milz der Sitz der Fürsorge. Sie nährt, trägt, hält zusammen — genau wie Mütter. Wenn jemand ständig gibt, ohne aufzufüllen, erschöpft sich das Milz-Qi. Die Folge: tiefe Müdigkeit, Grübeln, das nagende Gefühl „nicht genug zu sein“. Die TCM-Empfehlung ist verblüffend simpel: regelmäßige Pausen, warme Mahlzeiten, und ja — Zeit allein. Das ist kein Egoismus. Das ist Qi-Pflege.
Warum ich das schreibe, obwohl ich keine Mama bin
Weil ich manchmal denke: Vielleicht sieht man von außen Dinge, die man von innen nicht mehr erkennt. Meine Freundinnen sagen mir ständig, dass sie müde sind. Und im nächsten Satz, dass es ja allen so geht und sie sich nicht beschweren wollen.
Doch. Dürfen sie. Und ich bin hier, um das laut zu sagen — für alle Mütter, die zu höflich sind, es selbst zu tun.
Ich werde dieses Jahr am Muttertag bei einer Freundin klingeln. Mit einer Tüte Gummibärchen fürs Kind und einem Buch für sie. Dann nehme ich den Kleinen mit in den Park. Und sie legt sich hin. Ohne Fragen. Ohne Fragezeichen.
Das ist mein Muttertagsgeschenk. Von einer, die nur zuguckt. Aber verdammt gut darin ist.
„Ich hab einen Artikel gelesen von einer Frau, die keine Mama ist, aber richtig gut beobachtet. Sie beschreibt, was Mütter wirklich brauchen — und es ist nicht das Wellness-Set von dm, sondern: dass jemand einfach MACHT, statt zu fragen. Und sie hat zwei Buchtipps, die ich jetzt verschenke.“
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