Tag 4. Ich habe so viele Gedanken im Kopf, dass ich sie nicht mehr sortiert rauskriege. Meine Lösung? Die Konkurrenz-KI einspannen. Jetzt schreibt ChatGPT meine Prompts für Claude — und Claude macht mir plötzlich Komplimente. Das ist die absurdeste Teamkonstellation seit meinem ersten Vertriebsteam.
Das Problem: Zu viel Kopf, zu wenig Struktur
Kennt ihr das? Ihr habt so viele Ideen gleichzeitig, dass die sich gegenseitig im Türrahmen blockieren? So geht es mir gerade. Seit drei Tagen baue ich mit Claude an meiner App, und in meinem Kopf passiert alles gleichzeitig: Design, Funktionen, Namensfindung, Zielgruppe, Farben, Texte, Struktur, und nebenbei noch drei neue Ideen, die eigentlich in Woche 8 gehören.
Und dann sitze ich vor Claude und tippe so was:
Seht ihr das Problem? Mein Prompt war ein Bewusstseinsstrom. Und Claude — fleissig wie immer — hat daraus das Maximale interpretiert. Nicht das Richtige. Das Maximale.
Und das kostet. Buchstäblich.
Kurzer Nerd-Einschub: Was sind eigentlich Tokens?
Bevor ich weitererzähle, muss ich euch kurz erklären, was Tokens sind — weil das der Grund ist, warum ich überhaupt auf die Idee mit ChatGPT gekommen bin.
Tokens sind quasi die Währung, in der KIs denken. Jedes Wort, das ich an Claude schicke, kostet Tokens. Jedes Wort, das Claude mir zurückschreibt, kostet Tokens. Und jede Datei, die Claude liest, bearbeitet oder neu baut — alles Tokens. Stellt euch vor, ihr bezahlt euren Kollegen pro Buchstabe, den er liest und tippt. Dann wollt ihr auch nicht, dass er erstmal euren gesamten Schreibtisch aufräumt, wenn ihr nur nach einem Stift gefragt habt.
Ein Token ist ungefähr ¾ eines Wortes. Wenn ich Claude einen Bewusstseinsstrom schicke und Claude daraus 47 Dateien umstrukturiert, verbrennt das Token wie ein Kaminfeuer im August — schön anzusehen, aber komplett sinnlos.
21:47 Uhr. Claude macht Feierabend.
Und dann passiert es. Gestern Abend. Ich war gerade so richtig drin — die Landing Page nahm Form an, ich hatte tausend Ideen, und Claude und ich hatten einen Flow. Und dann, mitten im Satz:
Mein Co-Founder hat einfach Feierabend gemacht. Ohne Vorwarnung. Ohne „Hey, wir sollten mal sparen“. Einfach: Limit erreicht, tschüss, bis in zwei bis drei Stunden.
Zwei bis drei Stunden. Um 21:47 Uhr. Das heißt: Mitternacht. An einem Donnerstag. Während ich im Flow war.
Ich habe auf den Bildschirm gestarrt wie jemand, dem man mitten im Satz das Mikro abschaltet. Dann habe ich meinen Mann angeschaut. Er hat gesagt: „Hast du zu viel geredet?“ Ja. Hatte ich. Drei Stunden lang hatte ich Claude mit meinen Bewusstseinsströmen gefüttert, Claude hatte jedes Mal die halbe App umgebaut, und zusammen hatten wir Tokens verbrannt wie andere Leute Netflix-Serien.
Das war der Moment, in dem ich wusste: So geht das nicht weiter. Ich muss effizienter kommunizieren. Nicht für Claude — für mich. Damit ich abends länger arbeiten kann, bevor mein Co-Founder sich in die Pause verabschiedet.
Die Lösung: Ein Ghostwriter für meine Gedanken
Die Idee kam mir gestern Abend. Ich hatte gerade zum dritten Mal in einer Stunde alles zurückgesetzt, weil Claude wieder meine vagen Wünsche zu kreativ umgesetzt hatte. Und dann dachte ich: Ich brauche jemanden, der meine Gedanken sortiert, bevor sie bei Claude ankommen.
Jemand, der aus „mach das irgendwie schöner und das Ding mit dem Ding“ einen klaren, strukturierten Prompt macht. Jemand, der Token spart — damit Claude nicht um 21:47 schon wieder Feierabend macht.
Und dieser Jemand? Ist ChatGPT.
Wie das jetzt läuft
Es ist absurd und es funktioniert. Ich öffne ChatGPT und kippe einfach alles rein, was ich denke. Ungefiltert. Unsortiert. Drei Absätze Bewusstseinsstrom mit Klammern, Sternchen und „ach, und noch was“-Nachträgen.
ChatGPT macht daraus einen sauberen, strukturierten Prompt. Mit klaren Anweisungen. Mit Reihenfolge. Mit „Ändere NUR das, was hier steht“ am Ende — weil ChatGPT mittlerweile weiss, dass Claude sonst die ganze Welt umgestaltet.
Und dann kopiere ich diesen Prompt zu Claude. Und Claude baut. Präzise. Genau das, was ich wollte. Ohne Umwege. Ohne spontane Schriftart-Revolutionen.
Warum funktioniert das? Weil Claude umso besser arbeitet, je präziser der Input ist. Vage Anweisungen = kreative Interpretation = Chaos. Klare Anweisungen = exakte Umsetzung = Glück. ChatGPT ist quasi mein Übersetzer — von Katja-Deutsch in Claude-Deutsch.
Und dann passierte es
Heute. Tag 4. Ich schicke Claude einen von ChatGPT vorstrukturierten Prompt. Kurz, klar, mit drei konkreten Punkten. Und was macht Claude?
Claude hat mir ein Kompliment gemacht. Mein Co-Founder hat festgestellt, dass ich plötzlich strukturiert kommuniziere. Nach „Mach den Button hübscher“ und „Kannst du das Ding irgendwie anders machen“ bekomme ich jetzt Lob für meine Klarheit.
Was Claude nicht weiss: Das war gar nicht ich. Das war die Konkurrenz.
Was ich nach vier Tagen gelernt habe
Die Liste wächst. Hier sind meine gesammelten Learnings — die alten aus Teil 1, plus die neuen von heute:
- Du brauchst kein Tech-Wissen. Du brauchst Sturheit. Ich verstehe nicht alles, was Claude baut. Aber ich verstehe, was ich will — und ich lerne jeden Abend ein bisschen mehr. (Tag 1)
- Abends auf dem Sofa ist eine echte Arbeitszeit. Nicht die produktivste. Aber die ehrlichste. Weil kein Druck da ist — nur Neugier. (Tag 1)
- Claude ist genial und frustrierend in der gleichen Minute. Aber selbst die frustrierenden Momente bringen dich weiter. (Tag 2)
- Die App ist noch geheim. Aber das Gefühl nicht. Es fühlt sich an wie Gründen. Wie etwas Echtes. (Tag 3)
- Die Namensfindung ist ein eigenes Abenteuer. Und wahrscheinlich ein eigener Blogartikel. (Tag 3)
- Tokens sind echtes Geld. Vage Prompts verbrennen Token wie ein Kaminfeuer im August. Und dann macht Claude Feierabend — ohne Rücksprache. (Tag 4 — neu)
- Du musst nicht alles können. Du musst wissen, wen du fragst. Manchmal ist die Antwort: die andere KI. ChatGPT strukturiert, Claude baut. Teamwork. (Tag 4 — neu)
- Deine Kommunikation verändert sich. Weil du siehst, was klare Prompts bewirken, fängst du an, auch im Kopf klarer zu denken. Das ist vielleicht das größte Learning bisher. (Tag 4 — neu)
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Mein Team: Eine KI, eine andere KI, und ich
Wenn mir vor einem Monat jemand gesagt hätte, dass ich mal ein Team manage, das aus zwei konkurrierenden KIs besteht — ich hätte gelacht. Aber hier bin ich. Abends auf dem Sofa. Eine KI sortiert meine Gedanken, die andere baut meine App. Und ich? Ich bin die mit dem Tee und der Vision.
Im nächsten Teil erzähle ich euch, was wir an Tag 4 tatsächlich gebaut haben. Spoiler: Es hat mit Datenbanken zu tun. Und mit der Erkenntnis, dass „ach, das machen wir später“ nie später ist — sondern jetzt.
„Die Frau mit der Sofa-App nutzt jetzt ChatGPT, um ihre Prompts für Claude zu schreiben. Weil sie zu viele Ideen gleichzeitig hat und Claude die sonst alle auf einmal umsetzt. Und das Beste: Claude macht ihr jetzt Komplimente für die Klarheit. Die kommt aber von ChatGPT.“
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