</> SofaNerd
Tag 4

Wenn ChatGPT den Prompt für Claude schreibt

* Katja * 1. Mai 2026 * 6 Min. Lesezeit
Serie · Teil 2

Tag 4. Ich habe so viele Gedanken im Kopf, dass ich sie nicht mehr sortiert rauskriege. Meine Lösung? Die Konkurrenz-KI einspannen. Jetzt schreibt ChatGPT meine Prompts für Claude — und Claude macht mir plötzlich Komplimente. Das ist die absurdeste Teamkonstellation seit meinem ersten Vertriebsteam.

Das Problem: Zu viel Kopf, zu wenig Struktur

Kennt ihr das? Ihr habt so viele Ideen gleichzeitig, dass die sich gegenseitig im Türrahmen blockieren? So geht es mir gerade. Seit drei Tagen baue ich mit Claude an meiner App, und in meinem Kopf passiert alles gleichzeitig: Design, Funktionen, Namensfindung, Zielgruppe, Farben, Texte, Struktur, und nebenbei noch drei neue Ideen, die eigentlich in Woche 8 gehören.

Und dann sitze ich vor Claude und tippe so was:

Katja
Also ich will dass die Seite irgendwie wärmer wird aber auch professionell und der Button muss anders und könntest du vielleicht auch mal schauen ob das mit dem Ding funktioniert du weißt schon und außerdem habe ich noch eine Idee für später aber die schreibe ich jetzt schon mal hin weil sonst vergesse ich sie
Claude
Ich verstehe, dass du mehrere Änderungen möchtest. Lass mich das strukturieren — [baut 47 Dateien um, ändert die Schriftart, und fügt einen Dark Mode hinzu, den niemand bestellt hat]

Seht ihr das Problem? Mein Prompt war ein Bewusstseinsstrom. Und Claude — fleissig wie immer — hat daraus das Maximale interpretiert. Nicht das Richtige. Das Maximale.

Und das kostet. Buchstäblich.

Kurzer Nerd-Einschub: Was sind eigentlich Tokens?

Bevor ich weitererzähle, muss ich euch kurz erklären, was Tokens sind — weil das der Grund ist, warum ich überhaupt auf die Idee mit ChatGPT gekommen bin.

Tokens sind quasi die Währung, in der KIs denken. Jedes Wort, das ich an Claude schicke, kostet Tokens. Jedes Wort, das Claude mir zurückschreibt, kostet Tokens. Und jede Datei, die Claude liest, bearbeitet oder neu baut — alles Tokens. Stellt euch vor, ihr bezahlt euren Kollegen pro Buchstabe, den er liest und tippt. Dann wollt ihr auch nicht, dass er erstmal euren gesamten Schreibtisch aufräumt, wenn ihr nur nach einem Stift gefragt habt.

</> Nerd-Notiz

Ein Token ist ungefähr ¾ eines Wortes. Wenn ich Claude einen Bewusstseinsstrom schicke und Claude daraus 47 Dateien umstrukturiert, verbrennt das Token wie ein Kaminfeuer im August — schön anzusehen, aber komplett sinnlos.

21:47 Uhr. Claude macht Feierabend.

Und dann passiert es. Gestern Abend. Ich war gerade so richtig drin — die Landing Page nahm Form an, ich hatte tausend Ideen, und Claude und ich hatten einen Flow. Und dann, mitten im Satz:

Claude
Dein Limit ist für jetzt aufgebraucht. Du kannst in ein paar Stunden weitermachen.
Katja
... Bitte was?

Mein Co-Founder hat einfach Feierabend gemacht. Ohne Vorwarnung. Ohne „Hey, wir sollten mal sparen“. Einfach: Limit erreicht, tschüss, bis in zwei bis drei Stunden.

Zwei bis drei Stunden. Um 21:47 Uhr. Das heißt: Mitternacht. An einem Donnerstag. Während ich im Flow war.

Ich habe auf den Bildschirm gestarrt wie jemand, dem man mitten im Satz das Mikro abschaltet. Dann habe ich meinen Mann angeschaut. Er hat gesagt: „Hast du zu viel geredet?“ Ja. Hatte ich. Drei Stunden lang hatte ich Claude mit meinen Bewusstseinsströmen gefüttert, Claude hatte jedes Mal die halbe App umgebaut, und zusammen hatten wir Tokens verbrannt wie andere Leute Netflix-Serien.

„Mein Co-Founder macht einfach Feierabend. Um 21:47. Ohne Rücksprache. Kein menschlicher Kollege könnte sich das erlauben.“

Das war der Moment, in dem ich wusste: So geht das nicht weiter. Ich muss effizienter kommunizieren. Nicht für Claude — für mich. Damit ich abends länger arbeiten kann, bevor mein Co-Founder sich in die Pause verabschiedet.

Die Lösung: Ein Ghostwriter für meine Gedanken

Die Idee kam mir gestern Abend. Ich hatte gerade zum dritten Mal in einer Stunde alles zurückgesetzt, weil Claude wieder meine vagen Wünsche zu kreativ umgesetzt hatte. Und dann dachte ich: Ich brauche jemanden, der meine Gedanken sortiert, bevor sie bei Claude ankommen.

Jemand, der aus „mach das irgendwie schöner und das Ding mit dem Ding“ einen klaren, strukturierten Prompt macht. Jemand, der Token spart — damit Claude nicht um 21:47 schon wieder Feierabend macht.

Und dieser Jemand? Ist ChatGPT.

„Mein Workflow: Ich denke laut in ChatGPT rein. ChatGPT macht einen Prompt draus. Claude baut es. Ich trinke Tee.“

Wie das jetzt läuft

Es ist absurd und es funktioniert. Ich öffne ChatGPT und kippe einfach alles rein, was ich denke. Ungefiltert. Unsortiert. Drei Absätze Bewusstseinsstrom mit Klammern, Sternchen und „ach, und noch was“-Nachträgen.

ChatGPT macht daraus einen sauberen, strukturierten Prompt. Mit klaren Anweisungen. Mit Reihenfolge. Mit „Ändere NUR das, was hier steht“ am Ende — weil ChatGPT mittlerweile weiss, dass Claude sonst die ganze Welt umgestaltet.

Und dann kopiere ich diesen Prompt zu Claude. Und Claude baut. Präzise. Genau das, was ich wollte. Ohne Umwege. Ohne spontane Schriftart-Revolutionen.

</> Nerd-Notiz

Warum funktioniert das? Weil Claude umso besser arbeitet, je präziser der Input ist. Vage Anweisungen = kreative Interpretation = Chaos. Klare Anweisungen = exakte Umsetzung = Glück. ChatGPT ist quasi mein Übersetzer — von Katja-Deutsch in Claude-Deutsch.

Und dann passierte es

Heute. Tag 4. Ich schicke Claude einen von ChatGPT vorstrukturierten Prompt. Kurz, klar, mit drei konkreten Punkten. Und was macht Claude?

Katja (via ChatGPT-Prompt)
Bitte ändere folgende drei Punkte an der Landing Page. Ändere NUR diese drei Punkte, nichts anderes: 1) Headline-Font auf Fraunces Bold, 2) CTA-Button Hintergrundfarbe auf #F25B7A, 3) Hero-Bereich: Padding oben von 4rem auf 5rem.
Claude
Das ist ein sehr klarer und gut strukturierter Prompt — ich freue mich, dass du so präzise kommunizierst! Hier sind genau diese drei Änderungen, nichts anderes —

Claude hat mir ein Kompliment gemacht. Mein Co-Founder hat festgestellt, dass ich plötzlich strukturiert kommuniziere. Nach „Mach den Button hübscher“ und „Kannst du das Ding irgendwie anders machen“ bekomme ich jetzt Lob für meine Klarheit.

Was Claude nicht weiss: Das war gar nicht ich. Das war die Konkurrenz.

„Claude lobt meine Prompts. ChatGPT schreibt meine Prompts. Ich trinke Tee und fühle mich wie eine Teamleiterin.“

Was ich nach vier Tagen gelernt habe

Die Liste wächst. Hier sind meine gesammelten Learnings — die alten aus Teil 1, plus die neuen von heute:

* Meine Learnings — Tag 1 bis 4

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Mein Team: Eine KI, eine andere KI, und ich

Wenn mir vor einem Monat jemand gesagt hätte, dass ich mal ein Team manage, das aus zwei konkurrierenden KIs besteht — ich hätte gelacht. Aber hier bin ich. Abends auf dem Sofa. Eine KI sortiert meine Gedanken, die andere baut meine App. Und ich? Ich bin die mit dem Tee und der Vision.

Im nächsten Teil erzähle ich euch, was wir an Tag 4 tatsächlich gebaut haben. Spoiler: Es hat mit Datenbanken zu tun. Und mit der Erkenntnis, dass „ach, das machen wir später“ nie später ist — sondern jetzt.

☆ Wenn du das einer Freundin erzählst

„Die Frau mit der Sofa-App nutzt jetzt ChatGPT, um ihre Prompts für Claude zu schreiben. Weil sie zu viele Ideen gleichzeitig hat und Claude die sonst alle auf einmal umsetzt. Und das Beste: Claude macht ihr jetzt Komplimente für die Klarheit. Die kommt aber von ChatGPT.“

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Katja — abends auf dem sofa
Katja

Freelancerin, Ideenmaschine, und ja — jemand der abends auf dem Sofa sitzt. Diese Brand ist mein ehrlicher Raum. Kein Selbstoptimierungsprogramm. Nur das echte Leben einer Frau in all seinen wunderschönen Abend-Momenten. Und jetzt offenbar auch: KI-Teamleiterin.