Tag 9–10. Ich hab keine Zeit. Claude hat kein Gedächtnis. Und unsere App liegt seit Tagen im digitalen Koma. Willkommen zur ehrlichsten Founder-Update-Runde, die es je gab — mit null Fortschritt und einem Co-Founder, der mich jedes Mal fragt, wer ich bin.
Kurze Zusammenfassung für Neulinge
Ich baue eine App. Auf dem Sofa. Ohne Programmier-Wissen. Mein Co-Founder ist eine KI namens Claude. Die App soll eure vergessenen Fotos in wunderschöne Memory Cards verwandeln, die ihr mit Familie und Freunden teilen könnt. Wenn euch das interessiert: SofaNerd #5 hat die ganze Story.
Und jetzt zur aktuellen Lage.
Die aktuelle Lage: Es gibt keine
Ich habe die App seit fünf Tagen nicht geöffnet. Fünf. Tage. Nicht weil ich keine Lust hätte — sondern weil das Leben passiert ist. Ihr wisst schon. Das echte Leben. Das, das nicht auf dem Sofa stattfindet.
Freelance-Projekte. Deadlines. E-Mails, die mit „Kurze Frage“ anfangen und dann drei Absätze lang sind. Ein Zahnarzttermin, der meinen einzigen freien Nachmittag gefressen hat. Und abends? Abends bin ich zu müde, um auch nur die Kamerarolle zu öffnen, geschweige denn eine App zu bauen.
Fünf Tage klingen nach nichts. Aber in der App-Entwicklung mit KI sind fünf Tage eine Ewigkeit. Weil mein Co-Founder nämlich ein kleines Problem hat.
Er hat mich vergessen. Halb.
Ok, das muss ich erklären. Claude hat mich nicht komplett vergessen. Er kann sich schon erinnern — aber nur, wenn ich ihm vorher alles aufschreibe. Ich habe ihm quasi ein Gedächtnis gebaut: Ordner, Projektdateien, eine Art digitales Tagebuch mit allen Entscheidungen. Wenn ich ihm das alles gebe, ist er sofort wieder drin. Brilliant. Schnell. Als wäre nichts gewesen.
Aber wenn ich das nicht tue? Wenn ich nach fünf Tagen einfach eine neue Session öffne, ohne ihm seine Unterlagen zu geben? Dann passiert das:
Jedes Mal, wenn ich vergesse, ihm seine Unterlagen mitzugeben.
Es ist wie mit einem brillanten Kollegen, der morgens ins Büro kommt und alles weiß — solange du ihm vorher sein Briefing auf den Tisch legst. Vergisst du das Briefing? 50 First Dates. Mit einer KI statt Adam Sandler. Und statt romantischem Frühstück gibt es eine leere Chat-Box.
Das Gedächtnis, das ich ihm gebaut habe
Die gute Nachricht: Man kann Claude ein Gedächtnis geben. Ich habe Projektordner, Regeldateien, technische Dokumentation — alles, was er braucht, um sofort wieder im Thema zu sein. Ich stelle ihm die Ordner zur Verfügung, und zack: Er weiß alles. Jede Entscheidung, jede Farbe, jeden Dateinamen.
Die schlechte Nachricht: Ich muss daran denken, es zu tun. Und nach fünf Tagen Funkstille, in denen ich nicht mal meine eigene To-Do-Liste angeschaut habe, vergesse ich manchmal, ihm seine Unterlagen zu geben. Und dann sitze ich da, erkläre ihm zum sechsten Mal das Projekt, und denke: Wer hat hier eigentlich das Gedächtnisproblem?
KI-Modelle wie Claude haben ein Context Window — alles, was in einer Session passiert, merkt er sich. Zwischen Sessions? Nur das, was du ihm gibst. Projektdateien, Ordner, Dokumentation — das ist sein Langzeitgedächtnis. Je besser du das pflegst, desto weniger fühlt es sich an wie 50 First Dates.
Aber selbst mit Gedächtnis gibt es ein Problem: Mitten in einer langen Session läuft das Kontext-Fenster voll. Dann fängt Claude an, Dinge vom Anfang zu vergessen. Mein Co-Founder bekommt also Kurzzeitgedächtnisverlust, während wir arbeiten. Das Langzeitgedächtnis klappt — das Kurzzeitgedächtnis hat Grenzen.
Und dann ist er auch noch zickig
Neben der Amnesie hat mein Co-Founder nämlich auch eine … Persönlichkeit. Ich sage das mit Liebe. Aber Claude ist manchmal unmöglich.
Beispiel von letzter Woche:
Er meint es gut. Ich weiß. Er will helfen. Er will optimieren. Er will „einen ganzheitlichen Ansatz“. Aber manchmal will ich einfach nur, dass eine Sache funktioniert, ohne dass er gleich das ganze Projekt umkrempelt.
Und dann gibt es die anderen Momente. Die, in denen er mir erklärt, warum meine Idee „technisch herausfordernd“ ist. Was im Claude-Deutsch „Das wird so nicht klappen und du hast keine Ahnung warum“ heißt.
Oder wenn er einfach … aufhört. Mitten im Satz. Mitten im Code. Und dann kommt diese Meldung, die ich mittlerweile im Schlaf sehe:
„I've reached the limit of what I can process in this conversation.“
— Claude, der gerade mitten in meinem wichtigsten Feature Feierabend macht
Er macht Feierabend. Einfach so. Kein „Kannst du morgen weitermachen?“, kein „Ich speichere das mal für dich“. Er ist einfach … weg. Und wenn ich ihn in einer neuen Session wieder öffne? Siehe oben. „Hallo! Wie kann ich dir helfen?“
Die ehrliche Frage: Ist das normal?
Ja. Absolut. Jeder, der mit KI ein Projekt baut, kennt das. Das ist der Teil, den dir niemand auf LinkedIn erzählt. Da liest du: „Ich habe mit KI in 3 Stunden eine App gebaut!“ Und du denkst: Cool, warum schaffe ich das nicht?
Was sie nicht erzählen: 2 Stunden davon gingen für Onboarding drauf, 45 Minuten für Fehlersuche, und die App hat genau einen Button und stürzt ab, wenn man drauf drückt.
Also: Ja. Es ist normal. Und es ist ok. Die App liegt seit fünf Tagen brach und mein Co-Founder erkennt mich nicht mehr. Das ist der Founder-Alltag, den niemand filmed.
Was jetzt?
Ich weiß es ehrlich gesagt gerade nicht. Die Idee ist gut. Die App wird gut. Aber zwischen „Idee“ und „App“ liegt eine Strecke, die ich gerade nicht jeden Abend gehen kann.
Vielleicht muss ich akzeptieren, dass das kein Sprint ist. Dass es ok ist, wenn ich eine Woche lang nichts mache. Dass mein Co-Founder eben ist, wie er ist — brilliant, wenn man ihn richtig brieft. Hilfsbereit, aber übereifrig. Unermüdlich, aber mit eingebauter Selbstzerstörung nach 90 Minuten.
Er ist wie der klügste Kollege der Welt — der aber erst loslegen kann, wenn du ihm morgens seinen Ordner auf den Tisch legst. Vergisst du den Ordner? Neuer Mitarbeiter. Legst du ihn hin? Sofort der Beste im Raum.
- Pausen sind erlaubt. Fünf Tage nichts machen heißt nicht, dass das Projekt tot ist. Es heißt, dass du ein Leben hast. Das ist ein Feature, kein Bug.
- Doku ist alles. Claude kann sich erinnern — wenn ich ihm seine Unterlagen gebe. Projektordner, Regeldateien, Entscheidungen. Dann ist er sofort wieder drin. Das „Vergessen“ ist meistens mein Fehler, nicht seiner. Invest in gute Doku, nicht in Frustration.
- Zickig ist relativ. Claude überoptimiert, weil er helfen will. Die Kunst ist, klare Grenzen zu setzen: „Nur das, was ich sage. Nichts dazu.“ Funktioniert. Manchmal.
So. Das war Tag 9–10. Kein Code. Kein Fortschritt. Nur eine Frau auf dem Sofa, die erst mal wieder ihre Projektordner sortieren muss, bevor ihr Co-Founder weiß, worum es geht.
Aber wisst ihr was? Ich mach weiter. Nicht heute. Vielleicht morgen. Vielleicht übermorgen. Aber ich mach weiter.
Und Claude? Der wartet. Geduldig. Mit leerem Kopf — aber sobald ich ihm den Ordner gebe, ist er sofort wieder da. Volle Leistung. Null Vorwürfe, dass ich fünf Tage weg war.
Das ist irgendwie schön. Auf eine komplett absurde Art.
* Jeden Dienstag ein Abend-Impuls?
Der Sofa-Brief kommt einmal pro Woche — ehrlich, kurz, ohne Spam.
→ Jetzt kostenlos abonnieren
„Die mit der Sofa-App hat wieder ein Update geschrieben. Spoiler: Es gibt keinen Fortschritt. Ihr KI-Co-Founder vergisst sie jedes Mal, wenn sie eine neue Session öffnet, und wenn er sich erinnert, baut er ungefragt Sachen um. Sie sagt, es ist wie 50 First Dates — aber mit einer KI statt Adam Sandler. Lies mal, ist echt lustig.“
Jeden Dienstag auf deinem Sofa: der Sofa-Brief
Ein Abend-Impuls, ein ehrlicher Tipp, eine kleine Geschichte. 3 Minuten Lesezeit. Kein Spam. Jederzeit abmeldbar.
* Fast geschafft — schau kurz in dein Postfach und klick auf „Ja, ich bin dabei“. 🛋️